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b_100_0_16777215_00___images_news_2012_05_10_1.jpgFreiwillige Feuerwehr Weinheim feiert 150-jähriges Bestehen – Ein Blick zurück im Festbuch - Tag der offenen Tür am 13. Mai. Die Weinheimer Feuerwehr lässt nichts anbrennen. Das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen der Wehr ist der willkommene Anlass, diesen Geburtstag mit möglichst vielen Menschen aus der Stadt gesellig, spannend und trotzdem geschichtsverbunden zu feiern. Das Festwochenende vom Freitag, 11. Mai, bis Sonntag, 13. Mai, steht bevor. Für die Öffentlichkeit öffnet die Jubiläumswehr am Sonntag, 13. Mai von 10 Uhr bis 16 Uhr weit die Türen ihres Feuerwehrzentrums in der Bensheimer Straße.

„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht.“

Mit diesem Satz aus Schillers berühmter „Glocke“ leitet die Freiwillige Feuerwehr Weinheim ihr geschichtliches Festbuch ein, das zum Jubiläum herausgebracht wird. Es ist ein lesenswertes Stück Weinheimer Sicherheitsgeschichte geworden.

Ein paar Meilensteine daraus:

Der erste Schritt zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Weinheim erfolgte durch die Mitglieder der Weinheimer Schützengesellschaft im Saal des Gasthauses „Zur Burg Windeck“ im Müllheimer Tal. Am 1. November 1861 richteten die Weinheimer Wilhelm Dell, Fild, Titus Kern, Friedrich Krafft, Nichky und R. Sommer eine Eingabe an den Gemeinderat der Stadt, „wie notwendig es sei, eine gut geschulte Feuerwehr auch hier in Weinheim zu gründen, wie es in anderen Städten wie Ladenburg und Heidelberg geschehen ist“.

Eines hat sich bis heute nicht geändert, die Feuerwehr brauchte Ausrüstung, um ihren Dienst verrichten zu können. Allerdings, der Ton gemeinderätlicher Anträge war seinerzeit noch etwas zurückhaltender. Kostprobe: „Wir erlauben uns deshalb, an den verehrlichten Gemeinderat die ergebenste Anfrage zu stellen, ob derselbe geneigt ist, der zur errichtenden Feuerwache die städtischen Löschapparate zur Verfügung zu stellen.“ Die Schmeichelei zeigte Wirkung: In einer Sitzung des Gemeinderates und des Bürgerausschusses am 8. Januar 1862 wurde „die Errichtung einer Feuerwehr in hiesiger Stadt betreffend“ beschlossen. Der neuen Feuerwehr wurde die Schützengesellschaft als „Schutz und Sicherheitswache“ zur Seite gestellt.

Die Startschwierigkeiten

Der Gemeinderat wählte am 16. März 1863 den Institutslehrer Heinrich Lamblett vom Benderschen Institut zum ersten Kommandanten der Wehr. Aber die Leistungen der Wehr im Einsatzfall blieben hinter den Erwartungen der Bürger zurück. Auf Grund dieser Unzufriedenheit legte Heinrich Lamblett am 30. August 1865 sein Amt nieder. Am 14. Oktober 1865 wurde in Anwesenheit vom Bürgermeister Weisbrod im „Schwarzer Adler“ der Gastwirt Philip Lang zum neuen Kommandanten der Wehr gewählt. Unter dem Kommando von Adlerwirt Lang blühte die Weinheimer Feuerwehr auf. Aber die ersten Jahre blieben kritisch. Im deutsch-französischen Krieg 1871/72 ging – wohl durch die Kriegswirren - das Interesse an der Arbeit der Feuerwehr verloren. Kommandant Lang legte 1873 sein Amt nieder enttäuscht nieder. Im Jahr 1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr sogar wieder aufgelöst – aber die Brände mussten ja gelöscht werden.

Die Stadtverwaltung sah sich daher gezwungen eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen. Daraufhin wurde Mitte 1874 eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Weinheim erlassen. Hierin wurde bestimmt, dass alle angehenden Bürger mindestens sechs Jahre für das Feuerwehrkorps verpflichtet werden. Alle Bürger hatten bis zum 60. Lebensjahr Hilfe bei Brandfällen zu leisten. Zum dritten Kommandanten der Weinheimer Feuerwehr wurde am 27. Juli 1874 der Landwirt Friedrich Berbner gewählt. Die Stadt Weinheim schaffte auf Anraten des „Verwaltungsrates der Freiwilligen Feuerwehr“ 100 Uniformröcke aus Tuch an, die vom Weinheimer Schneidermeister gefertigt wurden. Nach Friedrich Berbner wählten die Feuerwehrleute am 3. September den vierten Kommandanten der Wehr. Philipp Ehret, Hauptmann der Feuerwehr und Gastwirt, wurde am 11. September 1876 vom Großherzoglichen Bezirksamt in seinem Amt als Kommandant der Pflichtfeuerwehr bestätigt.

Nach nur vierjähriger Dienstzeit als Kommandant legte Ehret sein Amt am 21. Januar 1880 nieder. Am 16. Februar 1880 übernahm der Kaufmann Johann Fuchs die Geschicke der Feuerwehr. Aber: Die Anforderungen, eine Wehr zu führen, waren wohl auch für Kommandant Fuchs zu hoch, denn im November des gleichen Jahres trat Fuchs vom Kommando zurück. Zur großen Freude der Bürger und der Feuerwehr übernahm Bürgermeister und Gastwirt Philipp Lang zum zweiten Mal das angeschlagene Schiff der Feuerwehr und brachte es auf Kurs. Erst aus Altersgründen schied er 1886 aus, sein bisheriger Stellvertreter Georg Peter Vogler rückte nach. Kaufmann Vogler, tätig bei der Feuerwehrgerätefabrik Metz, führte bei der Weinheimer Feuerwehr durch seine berufliche Tätigkeit viele technische Neuerungen ein. Unter seinem Kommando erhielt die Wehr eine moderne Schiebeleiter.

In den nächsten Jahren war Einsatzkraft gefragt. Am 11. August 1887 brach im benachbarten Ort Mörlenbach ein Großbrand aus, der durch die Sommerhitze für die ganze Gemeinde gefährlich wurde. Der Bürgermeister der hessischen Gemeinde überblickte das furchtbare Unglück und bat die Weinheimer Wehr telegraphisch um Hilfe. Die Zeiten hatten sich wieder geändert: Viele Feuerwehrmänner, die freiwillig länger als sechs Jahre ihren Dienst bei der Weinheimer Feuerwehr leisteten, wollten wieder eine Freiwillige Feuerwehr haben. In der Generalversammlung des gleichen Jahres wurde der Beschluss gefasst, den Gemeinderat davon in Kenntnis zu setzen. Im Januar 1895 legte Kommandant Vogler sein Amt nieder. Der bisherige Vize-Kommandant, Sattlermeister und Kaufmann Philipp Kinzel wurde somit der achte Kommandant der Weinheimer Feuerwehr.

Blütezeit und Kriegswirren

Der Werdegang des achten Kommandanten der Weinheimer Feuerwehr ,Philipp Kinzel, liest sich wie das Karrierebuch eines heutigen Jungmanagers. Von Weinheim aus brachte er es 1908 bis zum Vizevorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes. Vom 15. bis 17. Juni 1912 - also vor 100 Jahren - feierte die Wehr ihr 50-jähriges Bestehen, unter anderem mit einem Fackelzug vom Gasthaus „Burg Windeck“ zum Marktplatz. Am Festzug tags darauf beteiligten sich 65 Feuerwehrkorps mit über 2000 Feuerwehrleuten. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Tod Kinzels, übernahm Kaufmann Carl Wild im Jahre 1919 die Leitung der Weinheimer Feuerwehr. Kaufmann Wild, ein weit über die Mauern Weinheims geachteter und beliebter Kommandant, wurde infolge seines Weitblickes und seiner Kenntnisse auf dem feuerwehrtechnischen Gebiet bald in den Kreisausschuss des Badischen Kreisfeuerwehrverbandes berufen. Das erste Spritzenhaus stand damals auf dem Dürreplatz.

Im Jahre 1939 verstarb überraschend der langjährige Kommandant. In seiner Amtszeit zwischen 1919 und 1939 wurde die Feuerwehr zu 267 Einsätzen gerufen. Darunter hatten zahlreiche Großbrände vollen Einsatz gefordert, zum Beispiel auf dem Obstgroßmarkt, bei der Seifenfabrik, der Gummifabrik Weißbrod, bei den Lederfabriken Freudenberg und Hirsch, sowie im Naturinwerk. Der Zweite Weltkrieg griff auch in die Reihen der Weinheimer Feuerwehr ein. Ein großer Teil der Mannschaft wurde zum Kriegsdienst herangezogen. Einige wenige, die in der Heimat blieben, wurden für die Aufgaben der Feuerwehr ausgebildet. Ältere Bürger und vor allen Dingen Frauen, wurden verpflichtet, Dienst bei der Feuerwehr zu leisten. Nach dem Tod von Carl Wild übernahm Fabrikant Hans Weisbrod 1939 die Leitung der Feuerwehr. Der Krieg war aber auch zu Hause gefährlich. Am 10. Mai 1941 wurden die Weinheimer nach dem Bombenangriff auf die Fabrikanlagen BBC in Mannheim-Käfertal zu Hilfe gerufen.

Die Nachkriegszeit

Beim Einmarsch der Amerikaner am Gründonnerstag 1945 lösten sich die bisherigen Ämter der Verwaltung und des gesamten öffentlichen Lebens aus. Die amerikanische Regierung setzte Fabrikant Richard Freudenberg als Bürgermeister der Stadt Weinheim ein. Am 6. April bestimmte den Kaminfegermeister Fritz Schilling zum neuen Kommandanten. In dieser schweren Zeit nach dem verlorenen Krieg bestand wenig Neigung, eine Uniform zu tragen und sich erneut unterzuordnen. Die Mannschaft der Weinheimer Feuerwehr schrumpfte zusehens. Nach Fritz Schilling übernahm im Spätjahr 1945 Ernst Fichtner die Leitung der Weinheimer Feuerwehr. Mit Umsicht und Sachverstand ist es ihm gelungen, die Wehr wieder aufzubauen. Im Jahr 1955 fand die 1200-Jahr-Feier der Stadt Weinheim statt. Rechtzeitig wurde das Richtfest des neuen Gerätehauses am Schlossberg gegenüber der Altstadt mit einem feierlichen Akt gewürdigt. Im Juni 1956 wurde Karl Kreis sen. zum neuen Kommandanten gewählt und Hermann Franzmann sen. zu seinem Stellvertreter. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1956 war die Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses in der Grundelbachstraße. Die Stärke der Wehr betrug damals 199 Mann.

 

Jubiläum der Feuerwehr WeinheimZu zwei Großbränden wurde die Wehr 1957 gerufen. Am 29. März wurde die Fabrikationsanlage der Firma Drei Glocken fast vollständig zerstört. Am 1. November wurden bei der Firm Freudenberg ebenfalls die Produktionsstätten in Schutt und Asche gelegt . Die Einsatzstärke der Wehr war zu dieser Zeit rückläufig. Zum Jahresende 1958 betrug die Gesamtstärke der Wehr nur noch 182 Mann, was den absoluten Tiefpunkt bedeutete. Um einen festen Nachwuchs im Mannschaftsstand zu erhalten, wurde die 1962 die Bildung einer Feuerwehr-Jugendgruppe beschlossen. 14 Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren fanden sich ein - damit war die Jugendfeuerwehr Weinheim gegründet. Die auch heute noch im Besitz der Wehr befindliche Drehleiter DL 30 wurde 1968 angeschafft und am 16. November durch Oberbürgermeister Theo Gießelmann übergeben. Ruckartig stieg zu dieser Zeit die Zahl der Einsätze an. Einen personellen Tiefstand von nur 96 aktiven Angehörigen beschäftigte das Kommando 1970. Mit 96 Einsätzen wurde im Jahre 1970 die immer mehr wachsende Beanspruchungen der Wehrmänner deutlich. 1971 gab es wieder einen Führungswechsel innerhalb der Feuerwehr. Der bisherige zweite Kommandant Dieter Neitzel wurde zum Kommandanten der Wehr gewählt. Die magische Grenze von 100 Einsätzen wurde 1971 erreicht.

Jubiläumsjahr 1987

Mit dem Jubiläumsball leitete Weinheims Feuerwehr eine Reihe von Veranstaltungen ein, die dem 125-jährigen Bestehen im Jahr 1987 gewidmet waren und am ersten Juliwochenende ihren Höhepunkt erfahren haben. Der Unternehmer Sven Hagander übernahm die Schirmherrschaft des Jubiläums. Nicht nur die Freiwillige Feuerwehr Weinheim feierte den 125. Geburtstag, sondern auch ihre Jugendfeuerwehr blickte gleichzeitig auf das 25-jährige Bestehen zurück. Das Konzept war aufgegangen: Seit Jahren stieg die Zahl der aktiven Feuerwehrleute wieder an. Mit imposanten Zahlen konnte deshalb Stadtbrandmeister Dieter Neitzel zum Jubiläum aufwarten: 372 Feuerwehrleute übten aktiv ihren Dienst aus, 96 Jugendliche gab es und 183 Angehörige der Altersabteilung.

Peter Odenwälder folgte kurz darauf Dieter Neitzel als Kommandant. Neitzel hatte sich in 41 Jahren aktiven Feuerwehrdienst durch große Sachkompetenz und bestechend menschliche Qualitäten großes Ansehen erworben. Immer wieder in der Geschichte der Feuerwehr gab es besondere Einsätze: Am 9. August 1988 wurde im Fabrikweg die alte Freudenberg-Lackierfabrik gesprengt. Ein dumpfer, gewaltiger Schlag, einen Augenblick und das im Jahr 1893 errichtete Gebäude war nur noch ein Trümmerhaufen. Die Weinheimer Feuerwehr war angerückt mit fünfzig Mann, um die Staubentwicklung gering zu halten. Nach einem Beschluss des Feuerwehrausschusses der Weinheimer Feuerwehr sowie der Genehmigung durch Oberbürgermeister Uwe Kleefoot durften ab 1989 Mädchen in der Jugendfeuerwehr ihren Mann stehen. Als erste weibliche Angehörige der Jugendfeuerwehr Weinheim begrüßten Stadtbrandmeister Peter Odenwälder und Jugendfeuerwehrwart Rolf Tilger die 16-jährige Rosemaria Maaß in den Reihen der männlichen Feuerwehrangehörigen. 1990 musste Stadtbrandmeister Peter Odenwälder aus gesundheitlichen Gründen sein zwei Jahre zuvor angetretenes Amt zum Bedauern der Feuerwehrmänner abgeben. Gewählt wurde Hermann Franzmann, seine Stellvertreter wurden Reinhold Albrecht und Bernd Dittes.

Eine böse Überraschung erlebten die Badegäste Miramar am 12. Mai 1993. Sämtliche Gäste mussten wegen eines Brandes im Saunabereich evakuiert werden, Schaden: Drei Millionen D-Mark. Am 4. September ging im Rathaussaal ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Durch die Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde beschloss die Freiwillige Feuerwehr der Lutherstadt Eisleben und die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Weinheim die freundschaftliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens. Beim traditionellen Feuerwehrball im Jahr 1998 wurde Kommandant Hermann Franzmann noch für 40-jährige aktive Zugehörigkeit zur Feuerwehr geehrt. Im Juli desselben Jahres verstarb er völlig überraschend mit 57 Jahren. Reinhold Albrecht wurde sein Nachfolger. Er ist es bis heute – im Jubiläumsjahr.

Ein weiterer Meilenstein wurde im Jahr 2001 durch den Ausschuss für Technik und Umwelt der Stadt Weinheim beschlossen: Dem Entwurf des Bebauungsplanes „Neue Feuerwehrwache“ wurde zugestimmt. In der Sitzung am 14. Februar wurde das Büro Fuchs mit der Planung beauftragt. Im September 2004 wurde mit den Bauarbeiten begonnen werden. Auf dem Gelände „zwischen den Dämmen“ wird innerhalb von nur zwölf Monaten das neue Zuhause der Innenstadtwehr entstehen. Am 29. Oktober 2005 ist es dann endlich soweit. Nach knapp 13 Monaten Bauzeit wird das neue Feuerwehrzentrum in Betrieb genommen. An diesem Tag fahren alle 20 Fahrzeuge der Wehr mit Blaulicht und Sirene im Konvoi ein letztes Mal von der Grundelbachstrasse los und direkt in ihr neues Heim in der Bensheimer Strasse. Nach 50 Jahren am alten Standort ist die Familie Feuerwehr umgezogen. Das neue Feuerwehrhaus ist eine optimale Zentrale des Brandschutzes und der Sicherheit in der Stadt.

Info: Wer mehr über die Geschichte des Feuerwehrwesens erfahren will, kann die ausführliche Chronik zum 150-jährigen Bestehen der Weinheimer Feuerwehr ab Sonntag (13. Mai, Tag der offenen Tür) zum Preis von 10 Euro erwerben. Der Erlös aus dem Verkauf kommt der Jugendfeuerwehr zugute.