Der Große Zapfenstreich

 

Anlässlich des Festbanketts in der Stadthalle Weinheim am 11. Mai 2012 findet zu Ehren des 150 jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Weinheim der Große Zapfenstreich statt.

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Geschichte

Der Große Zapfenstreich ist eine feierliche, am Abend abgehaltene Zeremonie mit Kameraden und Musik. Er ist das höchste kameradschaftliche Zeremoniell der Feuerwehr bzw. der Bundeswehr.

In den Städten waren es nicht nur die Soldaten, die sich nach dem Zapfenstreich richten mussten, auch für die Bürger hatte er Gültigkeit. Für die Menschen vor den Stadttoren kündigten die Spielleute schon eine halbe Stunde früher durch ein Spiel, dem Locken, von den Zinnen der Stadtmauer den nahenden Zapfenstreich an.

 Der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete während der Befreiungskriege 1813 die Ausweitung des Zapfenstreiches um das Präsentieren des Gewehrs, ein stilles Gebet und das Blasen eines Militärliedes an. Er folgte damit dem Beispiel Russlands, Österreichs und Schwedens. Nicht überliefert ist, welches Musikstück ursprünglich als Gebet gespielt wurde; schon bald setzte sich allerdings der noch heute verwendete Choral Ich bete an die Macht der Liebe durch.

 

Kapellmeister Wilhelm Wieprecht wurde von den Preußen beauftragt, den Zapfenstreich auszuarbeiten. Es entstand die noch heute weitgehendste angewandte Form des Großen Zapfenstreiches. Der Inhalt setzte sich aus den drei Säulen der Militärmusik zusammen. So wurde neben den Spielleuten mit ihren Trommeln und Pfeifen sowie dem Großen Blasorchester, auch die Paukenspieler und Trompeter mit ihren Feldsignalen, den Posten, integriert. Diese Signale wurden auf Naturtontrompeten gespielt. Seine erste Aufführung fand am 12. Mai 1838 in Berlin zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I. statt. Nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 wurde – bei Anwesenheit des Monarchen – vor dem Gebet die Kaiserhymne Heil dir im Siegerkranz intoniert. Seit 1922 erfolgte zum Abschluss der Zeremonie das Abspielen der Nationalhymne, des Deutschlandliedes. Inzwischen wird bei Anwesenheit hoher ausländischer Gäste oder Truppenteile auch deren Nationalhymne gespielt.

Auch die DDR führte 1962 den Großen Zapfenstreich wieder ein. 1981 wurde er um „Elemente des progressiven militärischen Erbes“ ergänzt, beispielsweise um das Lied Für den Frieden der Welt des sowjetischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch (siehe Großer Zapfenstreich der Nationalen Volksarmee).

In der Öffentlichkeit ist der Große Zapfenstreich vor allem durch die Bundeswehr bekannt. Bei Verabschiedungen der Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, der Bundeskanzler und der Bundesverteidigungsminister. Der Große Zapfenstreich gilt als höchste Auszeichnung, die die Bundeswehr einer Zivilperson zuteil werden lassen kann. Grundsätzlichen Anspruch auf eine Verabschiedung durch einen Großen Zapfenstreich haben der Bundespräsident, der Bundeskanzler und der Bundesminister der Verteidigung; allen Militärs im Range eines Generals oder Generalleutnants (bzw. Admirals oder Vizeadmirals) steht ebenfalls ein Zapfenstreich bei ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zu.

Am 15. Juni 2010 wurde Horst Köhler mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Zuvor wurde mit Johannes Rau zuletzt ein Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland feierlich mit einem Großen Zapfenstreich am 29. Juni 2004 verabschiedet. An diesem nahmen insgesamt 450 Soldaten des Wachbataillons und des Musikkorps der Bundeswehr teil. Johannes Rau war der erste aus der SPD hervorgegangene Bundespräsident, der sich mit einem Großen Zapfenstreich verabschieden ließ. Gustav Heinemann zog eine Bootsfahrt auf dem Rhein mit geladenen Gästen dem militärisch-religiösen Ritual vor. Als Bundeskanzler wurde zuletzt Gerhard Schröder am 20. November 2005 in seiner Heimatstadt Hannover mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Amt verabschiedet.

Die wohl größten und öffentlichkeitswirksamsten Großen Zapfenstreiches wurden zur Verabschiedung der Westalliierten aus Berlin vor dem Brandenburger Tor sowie zur Verabschiedung von Helmut Kohl aus dem Amt des Bundeskanzlers vor dem Kaiserdom zu Speyer aufgeführt.

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